Ausländer in Shanghai lernen chinesische Etikette
 

Die Italienisch-chinesische Gesellschaft für Austausch und die Shanghaier Chinesischschule Meihe haben gemeinsam einen kostenlosen Kurs über chinesische Etikette und chinesische Sitten abgehalten. Der Kurs richtete sich an in Shanghai lebende Italiener.

Inhalt des Kurses war "Was man über Geschenke machen in China wissen sollte". Laut Wu Huijing, von der italienischen Gesellschaft, richtete sich der Kurs an leitende Angestellte von Unternehmen die Mitglied der Organisation sind. Die Gesellschaft wolle in Zukunft außerdem noch Kurse zu den Themen "Wie verhandelt man in China?" und "Wie findet man einen chinesischen Namen für sich?" etc. anbieten. Ziel der Kurse ist Ausländern zu helfen, das Leben in Shanghai zu verstehen.

Eine Statistik der Gesellschaft zeigt, dass gegenwärtig über 400 Italiener in Shanghai leben, wobei sie nur einen kleinen Teil der in Shanghai lebenden Ausländer ausmachen.

Mit der Zunahme internationalen Austauschs steigt auch der Bedarf an Kenntnissen über chinesische Etikette und Sitten. Ohne entsprechende Kenntnisse fühlen sich viele Ausländer oft in verschiedenen Situationen verloren oder peinlich berührt. Probleme bereiten z.B. folgende Fragen, "Soll ich meinem Geschäftspartner ein Geschenk schicken?", "Wann ist es angemessen bei Tisch einen Toast auszubringen?" und "Ist es richtig beim Einkaufen zu verhandeln?". Viele empfinden, dass es nicht nur notwendig ist Chinesisch zu lernen, um in das lokale Leben hineinzupassen, sondern, dass es auch wichtig ist gesellschaftliches Verhalten zu erlernen.

Ma Fulan, die für drei Monate in Shanghai weilt, sagt, "Ich liebe diese Stadt und will ein Teil von ihr werden". Aber sie findet es sehr schwer lokale Freundschaften zu schließen. Ma Fulan mag Sport und geht gerne Kaffee trinken während ihre chinesischen Mitarbeiter offensichtlich lieber Karaoke singen und abends Essen gehen. Unterschiede im Lebensstil und der Freizeitgestaltung führen oft dazu, dass sie sich einsam fühlt, obwohl sie Chinesisch spricht.

Es gibt viele Ausländer wie Ma Fulan in Shanghai, die gerne am lokalen Leben teilhaben würden. Aber Fragen wie z.B. was für ein Geschenk für die Hochzeit eines Freundes angemessen ist oder eine Kollegin die gerade Mutter geworden ist sorgen oft für Kopfzerbrechen.

Gu Yihua, ein Italiener, der sich gerade erst seit zwei Monaten in Shanghai aufhält, meint, er sei schon sehr an das Leben in Shanghai gewöhnt. Aber auch dieser italienische Geschäftsmann, der sich selbst für international gewand hält, steht gelegentlich vor Problemen wie z.B. ob es angemessen ist einer chinesischen Geschäftspartnerin ein Geschenk zu schicken, wie man es vermeidet chinesische Freunde durch Geschenke in Verlegenheit zu bringen oder wie man mit Chinesen verhandelt. Gu sagt, "Chinesen haben viele Tischmanieren und Regeln beim Trinken. Vor diesem Kurs konnte ich immer nur einen Freund fragen oder versuchen selbst herauszufinden wann es an der Zeit ist einen Toast auszusprechen."

Die Gesellschaft hat mehr als 60 Mitglieder. Sie alle wollen gerne am sozialen Leben in Shanghai teilhaben, wobei interkulturelle Kommunikation und Verständnis die Fähigkeiten sind, die sie am dringendsten erwerben wollen.

People's Daily, 05. April 2005