|
Der Ständige Ausschuss des chinesischen Nationalen
Volkskongresses (NVK) hat am Donnerstag ein überarbeitetes Einkommensteuergesetz
genehmigt. Durch das neue Gesetz wird die Untergrenze der Einkommensteuer bei
einem monatlichen Einkommen von 800 Yuan (80 Euro) auf 1600 Yuan (160 Euro)
heraufgesetzt. Diese Maßnahme wird die Steuerlast der Geringverdienenden
erleichtern. Die Gesetzesänderung tritt im kommenden Jahr in Kraft.
Der Ständige Ausschuss des 10. NVK bestätigte außerdem die
Änderung des Wertpapiergesetzes und des Gesellschaftsgesetzes.
"Sie (die Änderung) wird die Belastung der Menschen mit
geringem und mittlerem Einkommen verringern, vor allem bei Lohnempfängern wie
Wanderarbeitern und Mitarbeitern von Unternehmen", sagt Han Baojiang,
Wirtschaftsprofessor an der Zentralen Parteischule der Kommunistischen Partei
Chinas.
Die zentralen Behörden haben begonnen, die Besteuerung als
Instrument bei dem Aufbau einer "harmonischen Gesellschaft" zu verwenden, sagt
Han. Dies sei erst der erste Schritt, weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die
Einführung einer Erbschaftssteuer würden folgen.
Die neue Untergrenze war nach einer erstmalig abgehaltenen
öffentlichen Anhörung, von 1500 Yuan in einem vorangegangenen Gesetzesentwurf
auf 1600 Yuan angehoben worden. Bei der Anhörung äußerten 20 Vertreter aus
verschiedenen Berufsgruppen ihre Ansichten zu dem Entwurf und stimmten
weitgehend darin überein, dass die Untergrenze weiter angehoben werden sollte.
China hatte 1994 eine Einkommensteuer für Bürger mit
monatlichen Einkommen von mehr als 800 Yuan eingeführt. Damals verdiente aber
nur rund 1 Prozent der Chinesen dies oder mehr, heute sind es 60 Prozent.
Die Anhebung wird auf Ausländer, die in China leben und
arbeiten, keinen Einfluss haben, da sie bis zu 4000 Yuan monatlich steuerfrei
verdienen dürfen. Allerdings verfolgen viele ausländische Geschäftsleute den
Entwurf mit Interesse, da die meisten ihrer Angestellten Chinesen sind.
Der Staat könne sich die Anhebung der Untergrenze leisten,
sagt He Yongjian, ein Vertreter der Kommission für juristische Fragen beim
Ständigen Ausschuss des NVK. Anstrengungen zur Steuererhebung unter
Bevölkerungsgruppen mit hohem Einkommen würden intensiviert.
Der Staat werde durch die Gesetzesänderung mit einer Einbuße
an Einnahmen von rund 20 Milliarden Yuan (2 Milliarden Euro) pro Jahr zu rechnen
haben, sagt Shi Yaobin, Leiter der Steuerabteilung des Finanzministeriums.
30-10-2005
|