VPI Chinas hoch wie noch nie
 

Der Verbraucherpreisindex (VPI) in China ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent gestiegen. Das ist der größte Wachstum während der letzten elf Jahren. Analysten gehen davon aus, das die Regierung in der Folge dieser Entwicklung die Maßnahmen weiter verschärfen wird. Die Zahl im Januar war die höchste monatliche Steigerung seit Dezember 1996, als der Index 7 Prozent erreichte.

Die Zahl, welche das Staatliche Statistikamt (NSB) am Dienstag vorgestellt hatte, entsprach im Wesentlichen den meisten Vorraussagen, wenngleich sie noch unter den Erwartungen der größten chinesischen Staatsbank zu liegen kam. Die Bank of China hat eine Erhöhung des VPI um 7,5 Prozent oder mehr erwartet.

Das NSB stellte fest, dass die Lebensmittelpreise im Januar um 18,2 Prozent in die Höhe geschnellt sind. Diese Zahl beinhaltet sowohl die Preissteigerungen von Getreide um 5,7 Prozent, wie auch die von Kochöl um 37,1 Prozent. Schweinefleisch, welches als Hauptgrund für die hohe Teuerung genannt wurde, ist sogar um 58,8 Prozent teurer geworden.

"Die Preise wurden hauptsächlich durch Faktoren wie den starken Schneefall in die Höhe getrieben. Dieser hat mehr als die Hälfte des Landes gelähmt und die Lebensmittelpreise sind während des Frühlingsfests in die Höhe geschnellt", sagte Yao Jingyuan, Hauptökonom des NSB.

Dem stimmen nicht alle Ökonomen zu. Song Guoqing, Professor am China Economic Research Center der Peking-Universität, sagte, das schlechte Wetter habe zu spät im Januar begonnen, um mehr als einen marginalen Effekt auf die Preise zu haben. "Den Einfluss des Schneefalls werden wir wohl eher längerfristig sehen", meinte er. So könne die Erhöhung des VPI im Februar sogar bei mehr als 8 Prozent liegen.

Song rechnet die Erhöhung des Preisindex für die Lebenshaltungskosten hauptsächlich dem exzessiven Wachstum der Geldmenge zu. Die Maßnahmen der Zentralbank, wie etwa die Erhöhung des Zinssatzes und die Anforderungen zum Deckungssatz bei Banken, waren nicht stark genug, um die schnell anwachsenden Geldmenge seit letztem Juli zu zügeln. Obwohl der Nominalzinssatz gestiegen ist, sei der reale Zinssatz tatsächlich am fallen, sagte Song.

Gemäss Angaben der Bank of China beträgt das M2-Geldabgebot, welches das zirkulierende Bargeld und alle Einlagen beinhaltet, Ende Januar 41,78 Billionen Yuan (4 Billionen Euro). Dies sind 18,94 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies belegt, dass die Liquidität in der chinesischen Wirtschaft noch immer sehr hoch ist.

Im vergangenen Jahr hatte die Bank of China die Mindestreserven zehn Mal und den Zinssatz sechs Mal erhöht, um auf diese Weise die Liquidität einzudämmen. In diesem Jahr ist die Mindestreserve bisher ein Mal erhöht worden. Experten erwarten, dass der Zinssatz weiter steigt in diesem Jahr.

"Die Zinssätze werden auch in diesem Jahr klar anziehen, wenn auch jeweils nur in kleinen Schritten", sagt Yi Xianrong, ein Forscher an der Chinese Academy of Social Sciences. Liu Chaohui, ein Analyst von Guotai Junan Securities hat ebenfalls vorausgesagt, dass der Bankreservesatz im ersten Quartal noch ein Mal erhöht werden könnte, um die Liquidität zu verringern.

Song hat vorgeschlagen, dass Funds in Bonds überfließen und dass Wertpapiere bei der Rechnung miteinbezogen werden. Denn würde genauer gerechnet werden, würde dies ebenfalls helfen, die Inflation effektiver zu dämpfen. "Die Zentralbank sollte ihre Geldpolitik weiter straffen, indem sie weniger Geld ausleiht und die Aufwertung des Yuan beschleunigt", fügt er hinzu.

China hatte eine flexiblere Finanzpolitik, bei welcher der Yuan stetig aufgewertet wird. Seit die Regierung den Yuan im Juli 2005 nicht mehr fest an den Dollar bindet, ist die chinesische Währung um etwa 12 Prozent aufgewertet worden. Am Dienstag ist der Yuan um 93 Basispunkte gestiegen auf eine Rate von 7,1574 Yuan pro US-Dollar. Damit her er die 7,16 Marke zum ersten Mal durchbrochen. Eine schnellere Aufwertung ist von einigen Experten vorgeschlagen worden, um so das Handelsüberschuss zu reduzieren. Ein starker Yuan würde Exporte für Inhaber ausländischer Währungen verteuern.

Gleichzeitig hat der Trend zu einer stärkeren Währung auch die Sorge ausgelöst, dass dieser ausländische Investitionen verringern könnten. "Eine beschleunigte Aufwertung würde diese Investoren zwingen, ihre Fabriken in China zu schließen und in Länder mit günstigeren Löhnen zu verlegen", sagte Yi.

 

20-02-2008